Andrej Karpathy hat im Dezember 2025 etwas auf X geschrieben, das viele Entwickler kalt erwischt hat: „Ich habe mich noch nie so abgehängt gefühlt als Programmierer.”

Das ist bemerkenswert. Karpathy hat OpenAI mitgegründet, bei Tesla den Autopiloten zum Laufen gebracht und letztes Jahr den Begriff „Vibe Coding” quasi erfunden. Wenn jemand wie er das sagt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Sein Punkt ist nicht, dass Programmierer überflüssig werden. Sein Punkt ist, dass sich der Beruf gerade massivmbaut.
Der Anteil an Code, den ein Mensch noch selbst tippt, wird kleiner. Die Arbeit verschiebt sich vom Schreiben hin zum Zusammensetzen: Agenten, Kontexte, Prompts, Berechtigungen, Werkzeuge sinnvoll verketten.
Besonders interessant ist aber, was er an einer anderen Stelle sagt. Karpathy beschreibt diese Modelle als „jagged intelligence".
Dies beschreibt das ungleichmäßige Leistungsbild moderner KI-Systeme großer LLMs:
Sie lösen komplexe Aufgaben blitzschnell nur um bei vermeintlich einfachen, für uns trivialen Problemen überraschend zu scheitern. Die Ursache liegt in der statistischen Mustererkennung ohne echtes, allgemeines Verständnis oder beständige, logische Argumentationsfähigkeit.
Dasselbe System, das eine Dir in 3 Tagen eine 100.000-Zeilen-Codebasis umbaut, rät dir vielleicht zu einer 50 Meter entfernten Autowaschanlage zu Fuß zu gehen, statt zu fahren. Wegen der Umwelt. Das zeigt sowohl die Unlogik als auch das Bias der modernen LLMs.
Genau hier liegt der Punkt für jeden, der über Automatisierung nachdenkt.
KI ist brillant in verifizierbaren Domänen – Mathe, Code, klar definierte Aufgaben. Aber sie ist unzuverlässig genau dort, wo es darauf ankommt, den Überblick zu behalten. Karpathy sagt selbst: Du musst im Loop bleiben. Du musst diese Werkzeuge als das behandeln, was sie sind: extrem leistungsfähig, aber stochastisch.
Im Bereich Sicherheit ist das keine Randnotiz. Eine Schwachstelle zu finden ist eine Sache. Zu beurteilen, ob ein Fund echt ist, welche Folgen er hat und wie man ihn behebt, ohne drei neue Lücken zu öffnen; das bedeutet Erfahrung. Karpathy nennt es den Unterschied zwischen „Vibe Coding” und „Agentic Engineering”: Vibe Coding hebt die Untergrenze für alle. Agentic Engineering hält den Qualitätsanspruch.
Niemand darf wegen schnellen Tippens Sicherheitslücken einbauen.
Ein Modell ohne Gaurdrails ist wie ein Savant Fou, extrem schnell, famoses Gedächtnis, aber null Urteilsvermögen. So jemand braucht jemanden, der die Spezifikation vorgibt und die Ergebnisse prüft. Das ist kein netter Zusatz. Das ist die Voraussetzung dafür, dass am Ende etwas sinnvolles dabei herauskommt.
Übrigens, falls Sie sich gefragt haben, ob die KI Ihren Job übernimmt: Sie kann eine ganze Codebasis refaktorieren, scheitert aber an einer Frage, die jeder Zehnjährige beantwortet. Vorerst sind wir also noch sicher..